Ewald und Lorenz Neder, Ramsthal

FRANKEN. GANZ IM NORDEN.

 

Ramsthal, Wirmsthal, Westheim – nicht gerade Orte, die uns als Weinbaugemeinden geläufig sind, auch wenn Ramsthal, in einem Seitental gelegen, nach Hammelburg die größte Weinbaugemeinde an der Fränkischen Saale ist. Früher einmal war das anders, wobei "früher" bedeutet, dass man schon gut hundert Jahre zurückblicken muss.


Damals gab es noch über 1.000 Hektar Reben an der Fränkischen Saale, und Wirmsthal, unmittelbar nördlich von Ramsthal in einem Seitental des Sulzbachs gelegen und heute die nördlichste Weinbaugemeinde in ganz Franken, war damals ein wichtiges Weinbauzentrum und beileibe nicht die nördlichste Ecke im fränkischen Weinbau, damals gab es Weinbau auch bei Bad Kissingen oder Neustadt an der Saale.

Nach Reblauskatastrophe und zwei Weltkriegen war der Weinbau an der Saale stark zurückgegangen, seit den siebziger Jahren nimmt er wieder leicht zu. Ende der siebziger Jahre hat auch Eugen Neder mit der Selbstvermarktung begonnen, im Rahmen der im Jahr 1981 stattfindenden Flurbereinigung gab es die Möglichkeit, die Fläche weiter zu vergrößern, im gleichen Jahr hat Ewald Neder den Betrieb von seinen Eltern übernommen. 4,5 Hektar besaß man damals. Ewald Neder hat sich nicht an die Pflanzempfehlungen gehalten und schon damals, 1981, Grauburgunder gepflanzt, statt wie empfohlen Müller-Thurgau. Zehn Jahre später dann kam Weißburgunder hinzu, beide scheinen gut zu passen in die steilen Ramsthaler Lagen, beide gehören immer wieder zu den herausragenden Weinen im Neder'schen Programm.

Nach und nach haben Ewald Neder und Ehefrau Helga die Rebfläche erweitert, in kleinen Schritten, 1991 haben sie neben dem Wohnhaus im Urbanusweg ein neues Kellergebäude errichtet, das sie 2015 erweiterten. Denn Sohn Lorenz ist ebenfalls Winzer geworden ist 2012, nach Lehre bei Öko-Pionier Gerhard Roth in Wiesenbronn, Technikerausbildung in Veitshöchheim und Auslandserfahrungen im Burgenland bei Schloss Halbthurn und im Wagram bei Bernhard Ott, in den Betrieb eingestiegen, kümmert sich seither um den Weinausbau. Die Zukunft ist gesichert, und der Weingeschmack von Vater Ewald und Sohn Lorenz stimmt überein.

Ewald Neder hat schon immer "fränkisch trockene" Weine erzeugt, die "süße Welle" in Franken hat er nie mitgemacht. Als in den achtziger und neunziger Jahren immer mehr fränkische Weingüter vom "fränkisch trocken" abwichen, ihre trockenen Weine immer süßer ausbauten, mit bis zu 9 Gramm Restzucker, wie es das Deutsche Weingesetz nun mal erlaubt, nicht mehr mit weniger als 4 Gramm Restzucker oder gar durchgegoren, wie das in Franken üblich war, blieb Ewald Neder seinem Stil treu, hat durchgegorene Weine erzeugt, wenn sie denn durchgären wollten, Weine mit Ecken und Kanten, ehrliche Weine, ungeschminkt. 

Daran hat sich nichts geändert seit Lorenz Neder die Weine ausbaut, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Den Kunden scheint es zu gefallen, obwohl die Rebfläche und damit die verfügbare Menge langsam aber stetig erweitert wurde, stellen die Neders auf keiner Weinmesse aus, die Kunden kommen zu ihnen nach Ramsthal zum Weineinkauf, weswegen mit der Kellererweiterung auch eine neue Vinothek entsteht. 

2013 wagte Lorenz Neder Neues, hat einen Silvaner maischevergoren, in einem 250 Liter-Fass, dreizehn, vierzehn Monate blieb der Wein im Holz. 2014 hat er das Experiment wiederholt, diesmal Grauburgunder, Scheurebe, Weißburgunder und Silvaner, alle aus Ramsthal, zusammen maischevergoren, in einem 500 Liter-Fass.

Der Debütwein aus dem Jahrgang 2013 ist viel versprechend, puristisch, spannend, präzise. Experimente sind wichtig. Neue Rebsorten werden wohl auch noch hinzukommen, obwohl die Sortenvielfalt schon groß, das Sortiment schon umfangreich ist. Mit Spätburgunder liebäugelt Lorenz Neder – und warum nicht, schließlich bringen Weiß- und Grauburgunder sehr gute Ergebnisse, schließlich wachsen die Reben auf Muschelkalk.

© 2016 Gerhard Eichelmann/Mondo Heidelberg

 

Zum Winzerprofil