Christian Ehrlich, Rödelsee

DREI ZEILEN. NEUNUNDVIERZIG STOCK. FÜNFUNDZWANZIG FLASCHEN.

 

Was tun, wenn man gerne Winzer wäre, die Eltern aber kein Weingut besitzen? Dann muss man quasi bei Null anfangen. Nicht ganz bei Null musste Christian Ehrlich anfangen, bekam er doch als 16jähriger von seinem Vater drei Weinbergszeilen geschenkt. Naja, viel ist das nicht, 3 Zeilen, 49 Stock. Die erste Ernte brachte 25 Flaschen Wein. Das reicht nicht vorne und nicht hinten, deckt für Weinfreunde nicht einmal den monatlichen Eigenverbrauch.


Aber Christian Ehrlich wollte Winzer werden. Küferlehre, Weintechnikerlehre, Arbeit bei verschiedenen Weingütern, auch in Südtirol, bei Manincor und der Kellerei Terlan. Und gleichzeitig selber Wein machen. Weinmanufaktur Drei Zeilen nannte er das Start-up zusammen mit Partnerin Alexandra Müller, in Erinnerung an die Anfänge, die ersten eigenen drei Zeilen Reben. Im Herbst 2007 war das. Und das Ziel war klar: Es sollte mehr werden. Genauso klar war von Anfang an: Die Weinberge werden biologisch bewirtschaftet, keine Kompromisse. Auch im Ausbau keine Kompromisse, Spontangärung, wenig Schwefel. Die ersten Jahrgänge hat er als Landwein vermarktet, mit dem Jahrgang 2013 dann erstmals seine Weine als Qualitätsweine angeboten. Ob die ersten Jahrgänge die Qualitätsweinprüfung nicht bestanden? Ich habe es nicht gefragt, es kann aber gut sein, sie waren eigenwillig, fordernd, anstrengend, das mögen brave Qualitätsweinprüfer nicht. 

Mit drei Zeilen fing es an, dann kam etwas Bacchus hinzu, vierzig Jahre alte Reben, dann ein ganzer Hektar, den er neu bepflanzte. In Rödelsee, am Hangfuß, in der Lage Küchenmeister. Eigentlich nicht im Küchenmeister, sondern in der Schwanleite. Verwirrend, schon klar, denn 1971 wurden mit dem neuen Weingesetz zwei Lagen für Rödelsee definiert, Küchenmeister und Schwanleite. Und was hat man getan? Man hat die Lagen nicht nur willkürlich zusammengelegt, sondern sogar räumlich verschoben. Weswegen die eigentliche Schwanleite nicht mehr die Schwanleite ist, sondern nun Teil des Küchenmeisters, während die neue Schwanleite so gar nichts mit der eigentlichen Schwanleite zu tun hat. Dabei ist die Schwanleite etwas ganz besonderes, wurde sie doch bereits erstmals 1295 urkundlich erwähnt, als Swanliten, wohl benannt nach der keltischen Göttin Svana.

 


Küchenmeister, Rödelsee © Mondo Heidelberg

 

Dort, in der eigentlichen Schwanleite, heute aber dem Küchenmeister, konnte Christian Ehrlich einen Hektar am Stück erwerben und neu anlegen. Zehn verschiedene Rebsorten hat er gepflanzt,  Spätburgunder, Weißburgunder, Silvaner, Riesling, Scheurebe und Sauvignon Blanc, auch etwas Goldmuskateller. Ein Stück im Gemischten Satz, Hopfertanz nennt er den Wein aus seinem Fränkischen Gemischten Satz. Im kommenden Jahr will er 300 Stock Adelfränkisch pflanzen. Nie gehört, Adelfränkisch? Keine Schande, galt die Rebsorte doch noch bis vor Kurzem als ausgestorben, nur ihr Name war bekannt, man wusste, dass sie früher oft im Gemischten Satz, also zusammen mit anderen Rebsorten, angepflanzt worden war, in Franken vor allem, wie schon der Name vermuten lässt, dort speziell auf Keuperböden am Steigerwald. So wie eben in Rödelsee. 

Christian Ehrlichs Weine? Spannend. Keine Frage. Im Tonneau ausgebaut, mit natürlichen Hefen vergoren, langes Hefelager, keine Eingriffe. Ruhe und Zeit. 

Es geht also, ohne Geschichte, ohne jahrzehnte- oder jahrhundertlange Weinbautradition, ohne topmodernen Betrieb, als Quereinsteiger und Garagenwinzer, mit einfachsten Mitteln, im Nebenerwerb.

© 2016 Gerhard Eichelmann/Mondo Heidelberg

 

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