Baden

28,10,-14,50,2
600,600,60,1,3000,5000,25,800
90,150,1,50,12,30,50,2,70,12,1,50,1,1,1,2000
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Tuniberg
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Schriesheim, Strahlenburg (Badische Bergstraße)
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Kaiserstuhl
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Ortenau
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Ortenau
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Kaiserstuhl
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Ortenau
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Kaiserstuhl
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Neuweier, Ortenau
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Weinbau in Baden

 

Mit knapp 16.000 Hektar Weinbergen ist Baden der Fläche nach das drittgrößte deutsche Anbaugebiet. Keine andere deutsche Weinbauregion ist aber so heterogen wie Baden: Schließlich liegen ja auch 400 Kilometer zwischen Tauberfranken im Norden und dem Bodensee oder dem Markgräflerland im Süden. Im Vergleich zu manchen anderen deutschen Anbaugebieten ist Baden „von der Sonne verwöhnt“. Die Trauben erreichen einen höheren Zuckergehalt, die daraus entstehenden Weine sind etwas höher im Alkohol. Die Region Baden ist in insgesamt neun Bereiche eingeteilt, die sich sowohl hinsichtlich der angebauten Rebsorten, als auch hinsichtlich der Böden und der Weine, die sie erzeugen, deutlich voneinander unterscheiden.

Wichtigste Rebsorte in Baden ist der Spätburgunder, der 35 Prozent der gesamten Fläche einnimmt. Danach folgt Müller-Thurgau und dann erst – mit gehörigem Abstand – Grauburgunder. Weißburgunder hat Riesling überholt, liegt nun an vierter Stelle in der Anbaustatistik, gleichauf mit Riesling folgt Gutedel. Wobei die einzelnen badischen Weinbaubereiche jeweils eigene Spezialitäten haben. Im Markgräflerland ist dies der Gutedel, aber auch Rebsorten wie Nobling  oder Freisamer findet man hier. Am Kaiserstuhl findet man neben den Burgundersorten auch Silvaner, Gewürztraminer und Muskateller als Spezialitäten. Im Kraichgau schließlich gibt es den Auxerrois und viele aus dem benachbarten Württemberg bekannte Rebsorten wie Lemberger oder Schwarzriesling.

Baden ist eine Region, die derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Man hat es, anders als in Württemberg, nicht verstanden, dass man im genossenschaftlichen Sektor geschlossen auftreten muss: Die Erträge sind gesunken, Investitionen unterbleiben, die Qualität stagniert oder sinkt, die Auszahlungspreise sind niedrig. Viele Feierabendwinzer haben ihre Rebflächen auf- oder abgegeben, dies wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Dem stehen nur relativ wenige Betriebsneugründungen gegenüber.

Baden ist unterteilt in 9 Weinbaubereiche: Tauberfranken, Badische Bergstraße, Kraichgau, Ortenau, Breisgau, Kaiserstuhl, Tuniberg, Markgräflerland, Bodensee.

Ganz im Nordosten des Anbaugebiets liegt der Bereich Tauberfranken mit etwa 700 Hektar Weinbergen. Er umfasst den badischen Teil des Taubertals zwischen Bad Mergentheim und Wertheim, die anderen Teile des Taubertals zählen zu den Regionen Franken und Württemberg. Die Böden hier bestehen meist aus Muschelkalk und Buntsandstein. Die Weine hier sind sehr „fränkisch“ in ihrer Art, gleichen in ihrem Geschmacksprofil eher Frankenweinen, denn badischen Weinen. Wichtigste Rebsorte ist – wie im benachbarten Franken – der Müller-Thurgau. Auch die weiteren wichtigen Rebsorten erinnern mehr an Franken als an Baden, Silvaner und Bacchus vor allem. Dazu gibt es Kerner, Riesling und als wichtigste Rotweinsorte Schwarzriesling. Eine Spezialität hier ist die alte Rebsorte Tauberschwarz, die nur noch im Taubertal auf wenigen Hektar zu finden ist. 

Die Badischen Bergstraße war früher mit dem Kraichgau in einem gemeinsamen Bereich zusammengefasst. Zu ihm zählen die Weinberge südlich und nördlich von Heidelberg; die Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt etwa 40 Kilometer. Die Weinberge liegen meist an West- und Südwesthängen, die Reben wachsen in 120 bis 270 Meter Höhe. Im Norden schließt sich die Weinbauregion Hessische Bergstraße an. Der Bereich umfasst gut 400 Hektar Weinberge. Der Neckar zerteilt die Badische Bergstraße in zwei Hälften, die von der Bodenstruktur her sehr unterschiedlich sind. Nördlich von Heidelberg findet man vor allem Granitböden in unterschiedlicher Ausprägung. Zwischen Dossenheim und Handschuhsheim (heute ein Heidelberger Stadtteil) findet man Quarzporphyr und Porphyrtuffe, weiter nördlich bei Weinheim schiefrigen Granitporphyr, gelegentlich auch Diorit. In den tiefer gelegenen Weinbergen in der Ebene und am Hangfuß herrschen Löss- und Lösslehmböden vor. Alle nördlich des Neckars gelegenen Weinberge der Badischen Bergstraße sind in der Großlage Rittersberg zusammengefasst. Südlich des Neckars findet man insbesondere Muschelkalk und Buntsandstein. Zwischen Heidelberg und Rohrbach (einem Heidelberger Stadtteil) dominiert Buntsandstein, der Herrenberg zwischen Rohrbach und Leimen ist geprägt vom Muschelkalk, auch von Nussloch bis Wiesloch dominiert der Muschelkalk, hin und wieder vom Buntsandstein unterbrochen. Alle südlich des Neckars gelegenen Weinberge der Badischen Bergstraße sind in der Großlage Mannaberg zusammengefasst. 

Im Süden der Badische Bergstraße liegt das Kraichgau mit etwa 1.300 Hektar Weinbergen. Aufgrund unterschiedlicher Böden im Kraichgau sind die Weine hier heterogener als in den anderen badischen Weinbaubereichen. Im Kraichgau wird recht viel Riesling angebaut, aber auch Müller-Thurgau, Grauburgunder und Weißburgunder sind weit verbreitet. Kraichgauer Spezialität ist der Auxerrois, der heute auch außerhalb des Kraichgaus immer häufiger zu finden ist. Anders als in Südbaden, wo Spätburgunder dominiert, bietet das Kraichgau eine Vielfalt an roten Sorten: Neben Spätburgunder findet man Lemberger, Portugieser, Schwarzriesling und Trollinger, in den letzten Jahren aber auch immer häufiger Sorten wie Regent oder Cabernet Sauvignon. 

In der Ortenau, zwischen Baden-Baden und Lahr, gibt es etwa 2.600 Hektar Weinberge. Die Reben hier wachsen im Schutze des Schwarzwalds und sind – anders als sonst in Baden – von Urgesteinsverwitterungsböden durchsetzt. Der Riesling, der hier traditionell auch Klingelberger genannt wird, ist die dominierende Rebsorte. Neben Riesling gibt es recht viel Spätburgunder, die wichtigste Rotweinsorte der Ortenau. Gerade die Rieslinge aber mit ihrem eigenständigen Profil haben seit den neunziger Jahren für Aufsehen gesorgt. An erster Stelle ist Andreas Laible zu nennen, der jedes Jahr eine Vielzahl an sehr guten Rieslingen (und nicht nur Riesling!) erzeugt. Aber auch Schloss Neuweier präsentiert nach einer kleinen Schwächephase wieder beeindruckende, herrlich mineralische Weine.. 

Im Breisgau, zwischen Lahr und Freiburg, gibt es etwa 1.800 Hektar Weinberge. Die wichtigsten Rebsorten sind Müller-Thurgau, Grauburgunder und Spätburgunder. Anders als in den benachbarten Bereichen Kaiserstuhl und Ortenau, haben sich hier noch keine Weintypen mit „Wiedererkennungswert“ etabliert. 

Der Kaiserstuhl ist der größte und bekannteste badische Bereich. Die Burgunder vom Kaiserstuhl gehören regelmäßig zu den Spitzenweinen in Deutschland. Egal ob Grauburgunder, Weißburgunder oder Spätburgunder, nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine solche Dichte an Top-Burgundern wie am Kaiserstuhl. Aber auch Riesling, Silvaner oder Muskateller sind hier immer wieder ganz hervorragend. In keinem anderen badischen Weinbaubereich gibt es eine solche Vielzahl an Spitzenwinzern wie am Kaiserstuhl: Eine Region mit immensen Möglichkeiten!

Südöstlich vom Kaiserstuhl, westlich von Freiburg, liegt der Tuniberg. Er besteht im Untergrund aus Kalkgestein, ist aber fast komplett mit Löss überzogen. Am Tuniberg gibt es acht Weinbaugemeinden, wobei vier zur Stadt Freiburg zählen und zwei zu Breisach, nur Merdingen und Gottenheim sind selbständige Gemeinden. Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begann Weinbau wieder eine wichtigere Rolle am Tuniberg zu spielen, der lange Zeit als Anhängsel des Kaiserstuhls betrachtet wurde und erst 1996 als eigener Weinbaubereich definiert wurde. Anders als der Kaiserstuhl ist der Tuniberg nicht vulkanischen Ursprungs. Löss-Lehmböden herrschen vor, nur in einigen Teilen des Merdinger Bühls und des Munzinger Kapellenbergs findet man Kalkböden. 1100 Hektar Reben gibt es hier, drei Viertel der Ernte wird von Genossenschaften verarbeitet; die Weinberge sind überwiegend in Terrassen angelegt. Seit den achtziger Jahren haben sich jedoch auch private Weingüter etabliert; bereits in den siebziger Jahren hatten die Brüder Paul, Franz und Bernhard Mathiß, die damaligen Besitzer des Merdinger Kalkwerks, ein Weingut gegründet, das sie Kalkbödele nannten. Spätburgunder spielt hier die wichtigste Rolle, nimmt deutlich mehr als die Hälfte der Rebfläche ein – mit immer besseren Ergebnissen. Grauburgunder, Chardonnay und Weißburgunder werden von Jahr zu Jahr interessanter, auch Sauvignon Blanc findet man immer häufiger. Wobei der Tuniberg – anders wie der Kaiserstuhl – bisher noch kein klares Profil zeigt, zu wenige Spitzenerzeuger gibt es bisher hier.

Das Markgräflerland macht immer noch rasante Fortschritte. Die Spätburgunder werden immer besser. Gleiches gilt für Weißburgunder und Grauburgunder. Und in der Liste der besten Chardonnay in Deutschland findet sich jedes Jahr eine Reihe von Markgräfler Weinen mit vorne dabei. Die Nummer Eins unter den Rebsorten ist aber nach wie vor die Markgräfler Spezialität schlechthin, der Gutedel. Er hat in den letzten Jahren sehr gewonnen, vor allem durch die kühlere Vergärung und einen längeren Ausbau auf der Hefe. Mehr und mehr nutzen Winzer Gutedel auch für edelsüße Weine. Immer mehr Winzer schicken sich an den besten Weingütern vom Kaiserstuhl Paroli zu bieten.  

Die Weinberge am Bodensee sind die südlichsten in Deutschland. Vor allem Müller-Thurgau und Spätburgunder gibt es hier, aber auch Silvaner, Gutedel, Kerner, Bacchus und andere mehr. Während man lange Spätburgunder vor allem für Weißherbste oder leichte Rotweine nutzte, zeigen inzwischen erste Betriebe, dass man am Bodensee sehr gute und gehaltvolle barriqueausgebaute Spätburgunder erzeugen kann. Aber auch bei den weißen Burgundern und beim Chardonnay gibt es inzwischen einzelne bemerkenswerte Weine.

 

Winzer der Region