Franken

28,10,-14,50,2
600,600,60,1,3000,5000,25,800
90,150,1,50,12,30,50,2,70,12,1,50,1,1,1,2000
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Rödelsee
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Weinbergskapelle, Gössenheim
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Schlossberg, Klingenberg
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Würzburg, Käppele
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Klingenberg, Schlossberg
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Im Klingenberger Schlossberg
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Escherndorf, Lump
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Kronsberg, Iphofen
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Großwallstadt
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Weinbau in Franken

 

Das fränkische Weinbaugebiet liegt im Westen der Region Franken. Die Weinberge findet man vor allem am Main und seinen Nebenflüssen wie Wern und Fränkische Saale, an der Tauber, die allerdings nur zu einem kleinen Teil zu den beiden fränkischen Regierungsbezirken Unterfranken und Mittelfranken gehört, aber auch an den Hängen des Steigerwaldes und der Frankenhöhe sowie bei Alzenau im Spessart. Das Gros der Weinberge liegt im Regierungsbezirk Unterfranken, hinzu kommen die Weinberge am südlichen Steigerwald und an der Frankenhöhe in Mittelfranken, der Weinbau in Oberfranken ist heute bedeutungslos.

Anders als in vielen anderen deutschen Weinanbaugebieten gibt es keinen nachweisbaren Einfluss der Römer auf den Weinbau in Franken. Weinbau ist aber spätestens seit dem 8. Jahrhundert bekannt, belegt durch Aufzeichnungen der Abtei Fulda aus den Jahren 770 und 777 (Hammelburg), auch für Würzburg ist Weinbau seit dem 8. Jahrhundert belegt, für den Steigerwald seit dem 10. Jahrhundert, für den Obermain seit dem 11. Jahrhundert. Im ausgehenden Mittelalter soll Franken mit 40.000 Hektar Reben das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Europas gewesen sein. Ein starker Rückgang setzte mit dem Dreißigjährigen Krieg ein, ein weiterer Rückgang dann im 19. Jahrhundert durch die Konkurrenz des billigeren alkoholischen Getränkes Bier und durch die Konkurrenz der ebenfalls günstigeren Pfälzer Weine aus der damals ebenfalls zu Bayern gehörenden Rheinpfalz. Trotzdem gab es Mitte des 19. Jahrhunderts in Franken noch über 11.000 Hektar Reben, mehr als in der damals ebenfalls bayerischen Rheinpfalz. Einen weiteren Rückgang brachte dann wie überall in Deutschland das Auftreten von Krankheiten wie Perenospora und Echter Mehltau sowie der Reblausbefall. Anfang der sechziger Jahre gab es noch 2.200 Hektar Weinberge in Franken, durch Neuanpflanzungen vor allem in den siebziger aber auch in den achtziger  und neunziger Jahren wurde diese Fläche seither deutlich erweitert, so dass es heute wieder über 6.000 Hektar Reben in Franken gibt. 

Franken hat ein ausgeprägteres Kontinentalklima als die weiter westlich gelegenen deutschen Anbaugebiete. Die Unterschiede zwischen relativ kalten Wintern und heißen Sommern sind hier deutlicher.

Das deutsche Weingesetz unterteilt Franken in drei Weinbaubereiche: Mainviereck, Maindreieck und Steigerwald. Den tatsächlichen Gegebenheiten wird diese schlichte Dreiteilung nicht gerecht, ist doch Franken kein geschlossenes Anbaugebiet, es gibt räumlich klar abgegrenzte Teil-Anbaugebiete mit deutlich anderen Böden und deutlich eigenständigem Weincharakter. Da diese Bereichsbezeichnungen auch nicht auf Weinetiketten verwendet werden, hat der Fränkische Weinbauverband ganz Franken in zwölf neue Bereiche eingeteilt, die zukünftig auch die Großlagen ersetzen solle. Ein richtiges Unterfangen, allerdings hat man bei der Namensgebung sich nicht an historischen oder geographischen Bezeichnungen orientiert, sondern teils Phantasienamen entwickelt, teils Bezeichnungen der Tourismuswerbung übernommen, so dass man nun Bereichsbezeichnungen wie Abt-Degen-Weintal oder Frankens Saalestück, Weinparadies oder Main Himmelreich finden kann.

Die westlichsten Weinberge in Franken findet man im Spessart, in der historischen Region Freigericht (in der neuen Bereichseinteilung als Alzenauer Weinregion bezeichnet). Die 90 Hektar Reben in den Alzenauer Stadtteilen Michelbach, Wasserlos und Hörstein wachsen überwiegend auf Urgesteinsverwitterungsböden, anders als sonst in Franken spielt nicht der Silvaner die Hauptrolle, sondern Riesling und die Burgundersorten. Am Main, von Aschaffenburg flussaufwärts, liegt Churfranken (eine für die Tourismuswerbung geschaffene Wortkreation) mit Bürgstadt, Großheubach, Erlenbach am Main, Klingenberg und Großostheim als wichtigsten Weinbaugemeinden und etwa 250 Hektar Reben. Die Reben wachsen hier auf roten Buntsandsteinböden, Spätburgunder spielt die wichtigste Rolle, als Spezialität findet man den Frühburgunder. Über Dorfprozelten und Kreuzwertheim erreicht man den dritten neuen Weinbereich "Main Himmelreich" mit Weinbaugemeinden wie Lengfurt, Homburg, Erlenbach und Marktheidenfeld und gut 100 Hektar Reben. In diesem Bereich findet der Übergang von Buntsandsteinböden hin zu Muschelkalkböden statt, im Lengfurter Oberrot wachsen die Reben auf Rotquarzit.

Weiter flussaufwärts in Gemünden mündet die Fränkische Saale in den Main. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch über 1.000 Hektar Reben im Saaletal und einigen Seitentälern, heute gibt es noch etwa 130 Hektar, die wichtigsten Weinbaugemeinden sind Hammelburg und Ramsthal. Der neue Bereichsname Fränkisches Saalestück hat diese Sprachschöpfung von der Tourismuswerbung übernommen. Die Böden im Saaletal sind vom Muschelkalk geprägt. Einige Kilometer flussaufwärts von Gemünden, im Stadtteil Wernfeld, mündet ein weiterer wichtiger Nebenfluss in den Main, die Wern. Die Böden im Werntal bestehen ebenfalls aus Muschelkalk.

Ab Karlstadt flussaufwärts beginnt dann ein zusammenhängendes Weinbaugebiet entlang des Mains, das das Gros der fränkischen Rebfläche umfasst, knapp 4.000 Hektar. Die neue Bereichseinteilung hat diese Weinbauflächen in drei Bereiche zerteilt: Mittelmain, MainSüden und Volkacher Mainschleife, wobei die ersten beiden Bezeichnungen willkürliche Sprachneuschöpfungen sind, im ganzen Gebiet herrschen Muschelkalkböden vor. Für die Weinberge zwischen Hassfurt und Bamberg (bisher dem Bereich Steigerwald zugeordnet), etwa 100 Hektar Reben, wurde die neue Bereichsbezeichnung Abt-Degen-Weintal eingeführt, eine Sprachneuschöpfung aus der Tourismuswerbung.

Auch die nicht am Main liegenden Weinberge des bisherigen Bereiches Steigerwald wurden zerteilt in die neuen Bereiche "Weinpanorama Steigerwald" (die im nördlichen Teil des Steigerwalds verstreut liegenden Weinberge), "Schwanberger Land" (das Kernstück des Steigerwald-Weinbaus zu Füßen des Schwanbergs), "Weinparadies" und "Mittelfränkische Bocksbeutelstraße", auch hier hat man sich überwiegend für Bezeichnungen aus der Tourismuswerbung respektive für Sprachneuschöpfungen entschieden. In allen diesen Bereichen herrschen Keuperböden vor. 

Ohne diese neue Bereichseinteilung als Aktionismus werten zu wollen, wird man doch annehmen können, dass die meisten dieser Bezeichnungen sich nicht durchsetzen werden, dazu sind sie zu wenig präzise, zu wenig griffig. Warum man die Weinberge an den beiden fränkischen Abschnitten der Tauber nicht mit einem eigenen Bereich versehen hat, kann nicht allein mit der Größe der Rebfläche (etwa 100 Hektar) erklärt werden, die wichtigsten Weinbaugemeinden sind Tauberrettersheim und Röttingen (in Unterfranken) sowie Tauberzell (in Mittelfranken), die Reben wachsen auf Muschelkalkböden. Eine Taubertaler Spezialität ist die alte Rebsorte Tauberschwarz.

Außerhalb Frankens gibt es in Bayern noch Weinbau am Bodensee, die knapp 60 Hektar Weinberge dort sind zum Bereich Bayerischer Bodensee zusammengefasst und dem Anbaugebiet Württemberg zugeordnet. Hinzu kommen einige Hektar Reben bei Regensburg an der Donau, die als Regensburger Landwein vermarktet werden.

Mengenmäßig wichtigste Rebsorte in Franken ist der nach wie vor Müller-Thurgau, auch wenn die Rebfläche in den letzten Jahren zurückgegangen ist, sind doch immer noch 27 Prozent der fränkischen Weinberge mit Müller-Thurgau bestockt und auch wenn dieser Anteil stetig weiter zurückgeht, stehen die Franken zu ihrem „Müller“. Es folgt die Rebsorte, für die Franken bekannt ist, der Silvaner, der sich derzeit großer Beliebtheit erfreut und inzwischen wieder auf über 23 Prozent der Fläche angebaut wird, Tendenz weiter steigend. An dritter Stelle kommt Bacchus mit 12 Prozent. Riesling wird nur auf 5 Prozent der Fläche angebaut, es folgen Kerner, Weißburgunder, Scheurebe und Grauburgunder, dann Gewürztraminer, Rieslaner, Sauvignon Blanc, Blauer Silvaner, Johanniter und Chardonnay. Rote Sorten, traditionell am Untermain (Bereich Mainviereck) angebaut, nehmen fast ein Fünftel der Rebfläche ein. Domina ist derzeit noch die meistangebaute rote Rebsorte, gefolgt vom Spätburgunder, dahinter rangieren Dornfelder, Regent und Schwarzriesling, dann folgen Portugieser und Acolon, Cabernet Dorsa, Frühburgunder und Zweigelt. 

Eine fränkische Besonderheit ist der Bocksbeutel, eine bauchige, flache Flasche, in der seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hochwertige Frankenweine abgefüllt werden. Die Bezeichnung "Fränkisch trocken" wird verwendet für Weine, die nicht dem Trocken-Begriff des Deutschen Weingesetzes (bis 9 Gramm Restzucker, inzwischen werden Weine bis 10 Gramm Restzucker als trockene Weine toleriert) folgen, sondern wie international üblich maximal 4 Gramm Restzucker aufweisen. Immer häufiger findet man Weine, die als "Altfränkischer Satz" oder "Gemischter Satz" bezeichnet werden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde nahezu alle Weinberge im Gemischten Satz mit vielen verschiedenen Rebsorten bestockt, erst mit der Erneuerung der Weinberge nach dem Reblausbefall setzte es sich durch Parzellen mit nur einer Rebsorte zu bepflanzen. Einige alte Anlagen mit Gemischtem Satz existieren noch, die meisten Gemischten Sätze aber wurden erst in den letzten Jahren angelegt, weitere Neuanlagen werden folgen. Neben traditionellen fränkischen Rebsorten wie Silvaner, Gewürztraminer, Muskateller oder Riesling (in den ursprünglichen, alten Anlagen steht viel Elbling und Gutedel) werden heute wieder auch einige alte, in Vergessenheit geratene Rebsorten in solchen Anlagen gepflanzt, wie Adelfränkisch, Vogelfränkisch, Roter Silvaner, Blauer Kölner, Hartblau und viele andere.

Winzer der Region