Karthäuserhof, Trier-Eitelsbach

RUWER. JETZT ERST RECHT.

 

Julia Lübcke hat das Auto schon bereitgestellt. Über die Weinberge der Ruwer kann man schliesslich nicht ernsthaft diskutieren, ohne sie gesehen zu haben. Und es sollte ja niemand glauben, dass die Lage Eitelsbacher Karthäuserhofberg keine Unterschiede aufweisen würde. 


Die gibt es natürlich, und was geerntet wird, auf den einst beispielsweise Sang, Burgberg oder Kronenberg genannten Teilen des Berges, unterscheidet sich deutlich. Tat es immer schon, wie man herausfinden kann, wenn man alte Flaschen verkostet, grandiose, oft noch quicklebendige Karthäuserhofberg-Rieslinge aus den 1950ern oder 1960ern. Später geriet das Weingut in unruhigeres Fahrwasser, ohne seinen Ruhm zu verlieren. Immer wieder blitzte die Finesse der Ruwerweine auf, doch dann gab es wieder uneinheitliche Jahrgänge, mangelnde Konstanz. Renovierungen, die eigentlich nötig gewesen wären, um das Gut ganz vorn an der Spitze zu halten, unterblieben. Der Karthäuserhof stand vor ein paar Jahren kurz davor, den Anschluss zum Fast-Nachbarn Maximin Grünhaus, dem anderen besonders namhaften Weingut an der Ruwer, zu verlieren.
Doch inzwischen ist Julia Lübcke da, die einstige Weinhändlerin, die innerhalb der Branche noch mal eine neue Herausforderung suchte und seit 2017 als Geschäftsführerin des Karthäuserhofs amtiert. Der Besitzer wiederum, Albert P. Behler, stellte Geld zur Verfügung. Man merkt es spätestens auf der Fahrt durch die Weinberge. Knapp über 20 Hektar sind es nun, allein drei davon wurden im vergangenen Jahr neu gepflanzt. Damit nicht genug. Im Ruwertal habe man, erzählt Julia Lübcke, weitere sieben Hektar erwerben können. Waldracher Laurentiusberg und Mertesdorfer Herrenberg gehören nun zum Portfolio. Auch im Weingut selbst wird es Veränderungen geben. Sichtbar ist noch nichts, aber die Chefin skizziert schon mal die Pläne. Nebengebäude, die im Laufe der Zeit entstanden sind, aber den Blick auf den alten Hof verstellen, müssen weichen, eine Vinothek soll entstehen. Der alte, etwas trutzig wirkende Karthäuserhof von gestern, dürfte sich neu erfinden.
Einstweilen freilich bekommt der Besucher wenig von den Plänen mit, nur von den Weinen. Von jenen des 2017er Jahrgangs natürlich, der sehr feine, typische Rieslinge hervorgebracht hat – vom kräuterwürzigen Kabinett bis hinauf zum Großen Gewächs. Die Qualität stimmte, die Quantität leider nicht. 2018 indes stellt in jeder Hinsicht zufrieden. Man könne in diesem Jahr aus dem Vollen schöpfen, sagt Sascha Dannhäuser, der Kellermeister, und lächelt versonnen. Die Menge war ausgezeichnet, die Qualität scheint es auch zu sein, allein an Auslesen gibt es mehrere Gebinde, Material für noch höhere Prädikate wurde in beachtlicher Auswahl eingebracht. Saftig wirken die aus den Tanks verkosteten Weine, ohne die ruwertypische Zartheit vermissen zu lassen. Der Karthäuserhof wird spielen können bei der Abfüllung der Spitzen, wird experimentieren, die Unterschiede zwischen spontaner Vergärung und initiierter Fermentation herausfinden. Und vielleicht trägt Julia Lübcke ja mit ihrem Engagement ein bisschen dazu bei, dass der Begriff Ruwer, seit der Umbenennung des Anbaugebietes in Mosel deutlich marginalisiert, nicht komplett aus dem Bewusstsein der Weintrinker verschwindet.

© 2019 Wolfgang Faßbender/Mondo Heidelberg

Anmerkung: Frau Lübcke hat das Weingut Ende 2019 verlassen. 

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